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Video: Markus Werning

 Die Brücke am Mölleweg sollte schon stehen, aber es gibt Streit ums Gefälle. Darum demonstrierten Xantens Grüne am Baggersee,
um Druck auf die Firma Hülskens zu machen. Sie hatten Löffel, Töpfe und Pfannen mitgebrac

Quelle: RP (Von Markus Werning)

Elias ist direkt nach dem Fußballtraining zur Demonstration gekommen. Er hat einen Holzlöffel und den Deckel eines Mülleimers mitgebracht, um damit Krach zu machen, genauso wie viele andere, die dem Aufruf der Grünen gefolgt sind. Weit mehr als 20 Menschen sind es, darunter auch einige Schaulustige. Demonstrationen sind selten in Xanten, und es geht um ein wichtiges Anliegen vieler Bürger: Die Grünen protestieren an diesem Samstagmittag für den Bau der Brücke am Mölleweg. „Wir wollen unsere Meinung sagen, und zwar so laut, dass alle Verantwortlichen bei Hülskens sie hören können“, ruft Jo Becker, Vorstandssprecher der Grünen.

Hülskens hat in unmittelbarer Nähe Kies abgebaut und sich dazu verpflichtet, anschließend eine Brücke zu bauen, damit der Mölleweg zwischen Lüttingen und Xanten wieder durchgängig befahrbar ist – seit der Auskiesung wird er durch einen Baggersee unterbrochen. Eigentlich sollte die Brücke im Jahr 2020 auch schon fertig sein, aber bisher haben die Bauarbeiten noch nicht begonnen, und mit der Stadt streitet die Firma darüber, wie stark das Gefälle sein darf. Die Politik fordert maximal drei Prozent, sonst könne es für Menschen zu steil sein, die sich nicht so gut bewegen könnten, sagt sie. Hülskens plant dagegen im Schnitt mit 4,5 Prozent und versichert, dass die Brücke damit für alle nutzbar sei.

Fotos: Armin Fischer

 

Bisher ist keine Einigung in Sicht. Deshalb wollen die Grünen den Druck auf Hülskens politisch erhöhen. Das Unternehmen wird auch von anderen Parteien kritisiert. Aber die Grünen gehen jetzt auf die Straße: Sie haben einen Flashmob angemeldet, also eine kurze Demo – in diesen Zeiten mit Mundschutz und Abstand, kontrolliert von der Polizei. Etwa eine Viertelstunde dauert der Protest. Dafür steigen Becker und der Fraktionsvorsitzende Rolf Peter Weichold auf Leitern und rufen in Megafone. Nach jedem zweiten Satz schwenkt Becker eine Fahne, dann schlagen Elias und die anderen Demonstranten fünf, sechs Sekunden lang mit Holzlöffeln auf Töpfe, Pfannen oder Deckel. Sie machen ordentlich Radau.

„Am Mölleweg klafft eine Lücke – wo bleibt die versprochene Brücke?“, rufen Becker und Weichold. „Hülskens nimmt sich Bodenschätze – hinterlässt uns wüste Plätze!“ Das Unternehmen habe mit dem Kies-Abbau viel Geld verdient, wolle aber an der Brücke sparen und gehe auf die Forderung der Bürger nicht ein, werfen die Grünen der Firma vor. „Wir fordern eine flache Brücke – ohne Steigung, ohne Tücke! Die Brücke muss passierbar sein – für Jung und Alt, für Groß und Klein!“

Elias ist es wichtig, mitzumachen. Dafür hat er sich beeilt – die Fußballschuhe hat er noch an. Die Brücke solle endlich gebaut werden, und zwar so, dass sie von allen benutzt werden könne, sagt er. Für ihn würde der Weg zum Training kürzer. Aber das ist nicht der wichtigste Grund. Bisher muss er mit dem Fahrrad über die Lüttinger Straße fahren. Dort gibt es zwar einen Fahrradweg, aber es ist eine viel befahrene Straße, und manche Autos fahren zu schnell. Der Mölleweg ist dagegen eine ruhige Seitenstraße. Elias’ Mutter Stefanie Lümen sagt: „Das ist der sichere Weg.“ Aber nicht, solange die Brücke fehlt.

 

Auch Hülskens hatte den Demo-Aufruf vernommen. Die Grünen sollen deshalb einen wütenden Anruf von der Firma bekommen haben. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht. Aber im Gespräch mit der Redaktion wies ein Vertreter des Unternehmens die Grünen-Kritik empört zurück. Er versicherte, dass die Firma nicht an der Brücke spare. Es gebe technische Gründe für ein Gefälle von 4,5 Prozent im Schnitt. Das Bauwerk müsse sonst länger werden, und dafür reiche der verfügbare Platz auf beiden Seiten des Sees wohl nicht aus. Aber es werde geprüft. Darüber werden Firma und Politik bald miteinander sprechen können. Hülskens wurde zum Planungsausschuss eingeladen.

 

 

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